Waldkirch – Kastelburg – Schwarzenburg – Kandel
von Sven Lennartz am 29. August 2010
An diesem Wochende hatte ich nichts Großes vor. Deshalb bin ich bei regnerischen Wetter zum Bahnhof gegangen in der Absicht spontan den nächstbesten Regionalzug zu besteigen – es war der Zug in Richtung Elzach. Ich bin nach knapp 30 Minuten in Waldkirch (rund 16 Kilometer von Freiburg entfernt) ausgestiegen, denn dieser Ort hat einiges zu bieten.
Die Ruinen der Kastelburg sitzen direkt über der Stadt. Vom Bahnhof aus sind sie nur rund anderthalb Kilometer Waldweg entfernt. Baubeginn der Burg war die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts.

Die Ruinen machen noch einiges her. Besonders der Bergfried ist noch brauchbar erhalten. Die Burg wurde 1634 im Dreißigjährigen Krieg von kaiserlichen Truppen zerstört. Heute werden Führungen mit einem mittelalterlich verkleideten Türmer mitsamt Burgköchin veranstaltet. Von hier oben hat man einen idealen Blick auf das Städtchen Waldkirch.
Blick auf Waldkirch – für eine Großansicht hier klicken



Die Kastelburg wird seit 2002 von Waldkirchener Bürgern restauriert

Blick hoch zum Bergfried der im Innern über eine Holztreppe bestiegen werden kann
Waldkirch gibt sich viel Mühe für Familien interessant zu sein. Auf der der Kastelburg gegenüberliegenden Seite hat man einiges investiert. Es gibt ein Freibad, einen kleinen See mit Tretbooten, Biergärten, einen Waldzoo, den abenteuerlichen Baumkronenweg (über den Wipfeln der Bäume) und verschiedene Lehrpfade.
Blick in ein Rotwildgehege. Rechts oben erkennt man die Kastelburg
Waldkirch von der “anderen” Seite aus. Die Kirche ist St. Margarethen
In Waldkirch gibt es neben der Ruine der Kastelburg noch eine zweite Burg zu entdecken. Die Schwarzenburg, sie ist etwa 5 Kilometer entfernt und weniger gut zugänglich, und deshalb weniger bekannt. Es gibt auch hier Wegweiser, die ans Ziel führen, trotzdem habe ich die Burganlage erst nach Umwegen gefunden.
Die Schwarzenburg liegt bereits recht hoch, nämlich auf 658 Meter. Sie liegt auf einem Vorberg des Kandelmassivs zwischen Elz- und Glottertal. Die Burg ist älter und weniger gut erhalten als die Kastelburg. Sie soll einstmals einen imposanten Anblick geboten haben. Ihre Reste verteilen sich heute auf eine Fläche von 130*40 Meter.



Es überrascht nicht, dass man von hier eine prima Weitsicht hat.
Blick hinüber zur Kastelburg
Blick auf den Waldkirchener Stadtteil Batzenhäusle (der Batzen war mal eine Währung, das Häusle ein Gasthaus) mit den markanten drei Hochhäusern.
Blick in Richtung Buchholz
Unterhalb der Schwarzenburg befindet sich eine Schutzhütte, eine Trinkwasserbrunnen und ein Wegweiser. Fünf Kilometer bis zum Kandel war dort zu lesen. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen wo ich schon einmal in der Nähe war. Der 1242 Meter hohe Kandel ist der höchste Berg des Mittleren Schwarzwalds.
Die noch fehlenden 584 Höhenmeter auf 5 Kilometer hatten es allerdings in sich. Der Weg wurde zum Pfad und nach und nach immer enger, immer steiniger, steiler und rutschiger. Es ging durch Regenwolken hindurch in Serpentinen nach oben, und die Temperaturen sanken spürbar.

Mich wundert das sich diesen Weg zwei Moutainbiker hinunter trauten. Die beiden trugen aber auch keine Fahrradhelme sondern massive Formel-1-Helme und Schutzkleidung.
Das Gipfelplateau präsentierte sich dann im schönsten Sonnenschein:


Die Kandelpyramide ist ein ziemlich flacher Aussichtsturm auf dem Plateau. Es gibt eine Kapelle und eine Bergwacht hier oben, einen Biergarten, zahlreiche Himbeersträucher, einen Startplatz für das Paragliding und ein Hotel – den Kandelhof (mit grottenschlechter Website).
Blick zum Kandelhotel
Zurück nach Waldkirch wollte ich mit dem Bus fahren. Leider war es dazu aber zu spät. Der Bus fährt nur dreimal am Tag, die letzte Talfahrt um 16:30h hatte ich verpasst. Das bedeutete: zu Fuß ins Tal.
Der Wanderweg hier ist ein Abschnitt des zweiten Teils des Kandelhöhenweges. Den ersten Teil von Freiburg nach St. Peter war ich im Mai hin- und zurück marschiert. Noch im Gipfelbereich führt der Weg an einem Hochmoor vorbei. Die Folge waren patschnasse Füße.

Man merkt auch sonst, dass der Schwarzwald eine wasserreiche Gegend ist. Immer mal wieder mutiert der Weg zum Bächle und man wandert im Wasser weiter. Andere Teile des Kandelhöhenweges waren morastig und aufgeweicht. Eben weil es anstrengend war hat die Tour Spaß gemacht.
Nach einer Stunde verlor ich den Kandelhöhenweg aus den Augen und bin auf der Straße weiter gelaufen. Das ist nicht zu empfehlen, denn es gibt weder Rad- noch Fußweg. Ich war darum froh, als mich ein freundliches Waldkirchener Ehepaar mit dem Auto bis ins Stadtzentrum mitnahm.
(sl – 420)

Kommentare
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[...] “Vierburgenweg”, er verbindet die Burg Landeck, die Emmendinger Hochburg, die Kastelburg zu Waldkirch und die Eingangs erwähnte Burg Lichteneck miteinander. Bis zum eigentlichen Tagesziel waren es nun [...]
schöner Beitrag, danke.